Pollenallergie: Symptome, Tests, Tipps, Therapie (Artikelreihe Teil 3)

Pollenallergie: Wenn die Abwehr verrückt spielt

Reaktionen auf „nahe Verwandte“: Kreuzallergien

Besonders häufige Kreuzallergien gibt es auf Nüsse und Steinobst.

Manchmal reagiert das Immunsystem bei einer Allergie auch noch auf bestimmte ähnliche Allergene. Eine solche Kreuzreaktion führt zum Beispiel dazu, dass manche Birkenpollen-Allergiker keine rohen Äpfel oder Nüsse vertragen.

Anzeichen dafür sind etwa ein Jucken im Rachenraum, Taubheit oder Schwellungen im Mundbereich.

Grund ist, dass die Eiweiße mancher Lebensmittel (Obst, Gemüse, Gewürze, Nüsse) den Eiweißstrukturen der Pollen ähneln. Kreuzallergien gibt es auch bei anderen Stoffen: Wer gegen Latex allergisch ist, verträgt unter Umständen auch keine Bananen, und Hausstauballergiker reagieren bevorzugt auf Krustentiere.

Bei Regen: Raus oder rein?

Bei Regen spürt man die Pollenallergie mehr.

Bei einsetzendem Regen ist die Pollenbelastung besonders hoch, da die Pollen aufgewirbelt werden. Daher ist es bei kurzen, heftigen Schauern ratsam, als Pollenallergiker erst einmal im Trockenen zu bleiben und die Fenster zu schließen. Denn durch den Regen quellen die Pollenkörner auf, platzen und setzen dabei eine hohe Konzentration von Allergenen frei.

Etwa eine halbe Stunde nach Einsetzen des Regens nimmt die Pollenbelastung wieder ab. Ist der Regenschauer vorbei, ist es ein guter Zeitpunkt für einen Spaziergang oder um die Wohnung zu lüften – denn dann ist die Pollenbelastung besonders gering.

Spurensuche: Herausfinden, um welche Allergie es sich handelt

Bei der Suche nach der Ursache kann das Führen eines Beschwerdetagebuchs helfen.

Wenn Sie glauben, dass Sie unter Heuschnupfen leiden, sollten Sie diesen Verdacht gemeinsam mit Ihrem Arzt abklären. Ähnliche Reaktionen werden nämlich auch bei Allergien gegen Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilze beobachtet.

Es kann helfen, ein Beschwerdetagebuch zu führen, um den Allergenen auf die Spur zu kommen. Notieren Sie sich einfach die Art und Häufigkeit der allergischen Reaktionen sowie den Ort und die Tageszeit.

Mitunter ist es im ersten Moment auch nicht so einfach abzuwägen, ob es nun ein Heuschnupfen oder doch nur ein gewöhnlicher Schnupfen ist.

Tests zur Abklärung machen lassen

Zur Abklärung von Allergien wird häufig ein Pricktest gemacht.

Nach einem Arzt-Patienten-Gespräch wird der Arzt eventuell einen Hauttest durchführen, um den Verdacht auf eine Allergie abzuklären. Meist kommt hier der Pricktest zum Einsatz:

Auf der Innenseite der Unterarme werden winzige Mengen der verdächtigten Allergene eingeritzt. Nach einer Wartezeit von rund 20 Minuten werden mögliche Hautreaktionen ausgewertet.

Im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung ist auch ein Bluttest möglich.

Den „Etagenwechsel“ vermeiden

Eine Pollenallergie verschlechtert sich mit der Zeit, wenn sie nicht behandelt wird.

Wird eine Allergie nicht ausreichend behandelt, besteht die Gefahr eines sogenannten „Etagenwechsels“. Das bedeutet, dass zum Beispiel allergischer Schnupfen mit der Zeit zu allergischem Asthma führen kann. Die Erkrankung greift also von den oberen auf die unteren Atemwege über.

Damit das nicht passiert, ist es wichtig, eine Allergie rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Je nach Schweregrad gibt es unterschiedliche Therapieansätze. Leichte allergische Symptome lassen sich gut mit in der Apotheke frei erhältlichen Arzneimitteln behandeln.

Therapie: Die Symptome bekämpfen

Mit rezeptfreien Arzneimitteln aus der Apotheke bekommt man die allergischen Symptome meist gut in den Griff.

Je nach individuellen Beschwerden kommen unterschiedliche Arzneimittel in Form von Tabletten, Tropfen, Sprays, Salben oder Inhalationslösungen für eine Behandlung in Frage. Gute Wirkungen erzielen Antihistaminika, Cromone und Medikamente mit Kortison.

Bei leichten Beschwerden können auch Nasenspülungen oder befeuchtende Nasensprays mit Meersalz oder Kochsalzlösung helfen. Außerdem machen viele Menschen gute Erfahrungen mit homöopathischen Mitteln (mehr dazu hier).

Nasentropfen oder -sprays mit abschwellender Wirkung, wie sie bei normalem Schnupfen zum Einsatz kommen, sind übrigens nicht für die Behandlung allergischer Reaktionen geeignet.

Bei leichten Beschwerden

Antihistaminika haben sich bei der Therapie allergischer Beschwerden bewährt und sind oft rezeptfrei erhältlich. Ihr Apotheker kann Sie dazu beraten.

In Nasensprays sind oft die Substanzen Azelastin und Levocabastin enthalten. Neben Antihistaminika wendet man bei Heuschnupfen auch Cromone an, die sowohl lokal als Augentropfen oder Nasensprays eingesetzt werden, als auch als Inhalationslösung bei allergischem Asthma. Sie haben allerdings eine schwächere Wirkung als Antihistaminika und eignen sich eher zum prophylaktischen Einsatz, da ihre Wirkung meist erst nach ein paar Tagen bis wenigen Wochen einsetzt. Als Wirkstoffe sind hier Cromoglicinsäure und Nedocromil zu nennen.

Kortison bei starker Allergie

Wenn die Beschwerden besonders hochgradig sind, reichen die rezeptfreien Arzneimittel nicht mehr aus. Dann sind möglicherweise auch Medikamente mit Kortison anzudenken, die sehr gute Wirkung zeigen. Spezielle Nasensprays sorgen dafür, dass die Nasenschleimhäute abschwellen und man wieder entspannt durchatmen kann.

In den meisten Fällen werden gereizte Augen oder eine verstopfte Nase lokal mit Kortisonpräparaten behandelt. Kortisontabletten kommen nur dann zum Einsatz, wenn wirklich starke Beschwerden vorliegen oder mit Asthmaanfällen zu rechnen ist.

Regelmäßig überprüfen

Da auch bei rezeptfreien Medikamenten Nebenwirkungen auftreten können, ist ein Gespräch mit dem Arzt oder Apotheker ratsam. Zu beachten ist auch, dass Heuschnupfen während der Jahreszeiten unterschiedlich stark wahrgenommen werden kann. Ihr Apotheker schlägt Ihnen dann eventuell ein anderes Mittel vor.

Therapie: Die Desensibilisierung

Bei der Hypo- oder Desensibilisierung wird der Körper langsam an die Allergene gewöhnt. Das geschieht entweder mittels Impfkur oder Tabletten.

Mit all diesen Präparaten lässt sich die Allergie allerdings nicht aufhalten. Wer langfristig erscheinungsfrei werden möchte, kann sich zurzeit für eine spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierungstherapie genannt, entscheiden. Diese führt dazu, dass sich der Körper an die allergieauslösende Substanz gewöhnt und die lästigen allergischen Reaktionen abnehmen. Die Therapie erfolgt entweder mittels Impfkur oder mit Tabletten.

Der Haken an der Sache ist, dass die Behandlung relativ aufwändig ist, und in der Regel mindestens drei Jahre in Anspruch nimmt. Es dauert ein paar Monate, bis die Tabletten bzw. Spritzen eine erste Besserung bewirken, aber es lohnt sich. Zwar kann auch die spezifische Immuntherapie keine Allergie heilen, aber es besteht die Aussicht auf eine wesentliche Verbesserung bis hin zur jahrelangen, absoluten Erscheinungsfreiheit. Für die Therapie spricht auch, dass ein Etagenwechsel verhindert werden kann.

Wird es einen Impfstoff geben?

2018 gaben Forscher der MedUni Wien bekannt, den weltweit ersten Impfstoff gegen Pollenallergie entwickelt zu haben. Bis der synthetisch hergestellte Impfstoff BM32 auf den Markt kommt, müssen wir uns aber noch gedulden. Bemerkenswert ist, dass der Impfstoff die Heuschnupfen-Symptome um rund 25 Prozent – bei weiteren Auffrischungen auch mehr – lindern kann. Zudem ist ein präventiver Einsatz denkbar.

Und auch jene, die gegen Hausstaubmilben, Katzen und Ragweed allergisch sind, dürfen hoffen – laut Einschätzung der Wissenschafter lässt sich der Impfstoff entsprechend anpassen.

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